Wenn der Geschäftsführer als Führungskraft entscheidet

Wenn der Geschäftsführer als Führungskraft entscheidet

Geschäftsführer tragen mehrere Rollen gleichzeitig. Wenn die Führungskraft in der Geschäftsführungssitzung spricht, verzerrt das Entscheidungen.

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In einer Geschäftsführungssitzung ging es um eine strategische Weichenstellung. Die Zahlen lagen auf dem Tisch, die Optionen waren klar. Doch in der Diskussion fiel auf, dass einer der Geschäftsführer Argumente anders gewichtete als die anderen. Er sprach nicht offen darüber, aber seine Einwände, seine Bedenken, seine Priorisierungen folgten einem Muster: Sie orientierten sich daran, was die Entscheidung für seinen Bereich und insbesondere für seine direkten Mitarbeiter bedeuten würde – bevor geklärt war, was für das Unternehmen sinnvoll wäre.

Der zweite Schritt kam vor dem ersten. Nicht absichtlich, nicht offensichtlich. Aber wirksam.

Die übliche Erklärung – und warum sie nicht trägt

Man könnte sagen: Ein guter Geschäftsführer denkt eben an die Menschen. Er verliert das Team nicht aus dem Blick, auch wenn es um Strategie geht. Das klingt nach Führungsqualität.

Aber was hier passierte, war etwas anderes. Die Perspektive der Führungskraft – „Was bedeutet das für meine Leute?" – überlagerte die Perspektive des Geschäftsführers – „Was ist richtig für das Unternehmen?". Nicht bewusst, nicht böswillig. Aber wirksam.

Das Ergebnis: Die Diskussion kreiste um Vermittelbarkeit statt um Richtigkeit. Die Entscheidung wurde nicht am Gesamtbild gemessen, sondern an der Frage, wer sie wie erklären müsste.

Die andere Perspektive

Geschäftsführer tragen mehrere Rollen gleichzeitig. Sie sind Mitglied eines Leitungsgremiums, das gemeinsam entscheidet. Und sie sind Führungskraft eines Bereichs, die diese Entscheidungen umsetzt und vermittelt. Beide Rollen sind legitim. Aber sie haben unterschiedliche Logiken.

In der Geschäftsführungsrunde zählt das Gesamtbild: Strategie, Ziele, Unternehmensinteresse. Die Frage ist nicht, was für den eigenen Bereich am angenehmsten wäre, sondern was für das Ganze richtig ist.

In der Rolle als Führungskraft, im Gespräch mit dem eigenen Team, gelten andere Maßstäbe. Dort geht es um Übersetzung, um Erklärung, um den Umgang mit Konsequenzen. Die gemeinsam getroffene Entscheidung darf dort nicht sabotiert werden – aber sie darf, sie muss sogar, in die Sprache des Bereichs übersetzt werden.

Das Problem entsteht, wenn die Rollen nicht getrennt werden. Wenn die Führungskraft schon in der Geschäftsführungssitzung spricht, bevor der Geschäftsführer entschieden hat.

Setzung

Natürlich sind bei Entscheidungen immer auch Menschen betroffen. Aber in der Geschäftsführung geht es zuerst um das Unternehmen – nicht um einzelne, nicht primär um die eigenen Mitarbeiter. Die Frage „Was bedeutet das für mein Team?" hat ihren Platz. Aber dieser Platz ist nach der Entscheidung, nicht statt ihrer.

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